Diskussionsveranstaltung mit dem polnischen Botschafter in Moskau

 

 

Am 11. April besuchte der polnische Botschafter, Herr Jerzy Bahr, die EBS und stellte sich den Fragen der Oberstufenschüler des 11. und 13. Jahrgangs. Einleitend betonte er, dass er gekommen sei, nicht nur um Fragen zu beantworten, sondern auch um selbst Fragen zu stellen.

 

 

Das Gespräch drehte sich zunächst grundsätzlich um das Thema der deutsch-polnischen Beziehungen. Herr Bahr betonte die Notwendigkeit, dass sowohl die polnische als auch die deutsche Seite aufeinander zugehen und sich besser kennen lernen müssten.

 

Dezidiert äußerte er sich zu aktuellen Streitpunkten wie der Gaspipeline durch die Ostsee, die er ablehnt, und zu dem Vertriebenenzentrum in Berlin, das er nur in einem adäquaten Kontext als sinnvoll erachtet. Die Haltung Polens in der Europa-Politik kommentierte Herr Bahr vorsichtig diplomatisch, aber optimistisch. Unter dem neuen Ministerpräsidenten Donald Tusk sei die Ratifizierung des Lissabon-Vertrages gesichert, auch wenn der Staatspräsident Lech Kaczynski die Unterzeichnung bis Ende des Jahres hinauszögere.

 

Auch das Thema Russland wurde ausgiebig erörtert. Während Herr Bahr eine gewisse positive Stabilisierung durch die Ära Putin sieht, ist er sehr skeptisch, was die innere demokratische Entwicklung angeht.

 

Interessante Einblicke gab Herr Bahr in die eigene Biographie, die nicht nur eine diplomatische Tätigkeit in fünf Ländern umfasst, sondern auch mehrere Jahre im Exil in Österreich und in der Schweiz, als in den 80er Jahren in Polen die demokratische Opposition unterdrückt und das Kriegsrecht verhängt wurde.

 

Das Gespräch verlief in einer ruhigen und konzentrierten Atmosphäre und war vielleicht ein kleiner Schritt im Sinne Herrn Bahrs, sich gegenüber dem Nachbarn zu öffnen und voneinander zu lernen.